Orbis Linguarum Vol. 9 (1998)

Bernhard Weisgerber

Bonn

Steckt die Wahrheit in den Wörtern?

Zur Geschichte und Bedeutung der Etymologie

Zu Beginn jeder Geschichte der Etymologie wie der Sprachwissenschaft oder Sprach­theorie taucht der Name eines Mannes auf, den man zu den „Vorsokratikern” zählt, eines Anhängers des Heraklit und eines der Lehrer Platons: Kratylos.[1] Er gilt als einer der ersten großen Skeptiker, „der schließlich meinte, man dürfe über­haupt nichts aus­sagen, und nur noch den Finger bewegte”.[2]

In dem nach ihm benannten platonischen Dialog allerdings vertritt er die These von der natürlichen Richtigkeit der Namen, die nur durch Konvention und Gebrauch verschleiert sei. Hermogenes stellt dem Sokrates in diesem Dialog den Kratylos mit folgenden Worten vor:

Kratylos hier, o Sokrates, behauptet, jegliches Ding habe seine von Natur ihm zu­kom­mende richtige Benennung und nicht das sei ein Name, wie einige unter sich ausgemacht haben etwas zu nennen, indem sie es mit einem Teil ihrer besonderen Sprache anrufen; sondern es gebe eine natürliche Richtigkeit der Wörter, für Hel­lenen und Barbaren insgesamt die nämliche.[3]

Die in diesem Einleitungssatz aufgestellten Thesen des Kratylos haben seitdem über zweieinhalb Jahrtausende hinweg die sprachtheoretischen Diskussionen bewegt:

Gründen die Wörter in der Natur der Dinge (physei) oder in Konvention und Ge­brauch (thesei)? Gibt es also eine „Richtigkeit der Namen” (orthótes onomáton), die das Vertrauen in die Sprache rechtfertigt und ihren Wahrheitsgehalt ausmacht, oder sind die sprach­lichen Bezeichnungen beliebig, so daß ich „hinter die Sprache” zu­rück­­gehen muß, wenn ich die wahre Erkenntnis suche? Gibt es eine gemeinsame Sprache der Menschheit (als notwendige Konsequenz aus der „Richtigkeit der Namen”), oder hat jede Sprache ihre eigene „Wahrheit”, ihre eigene Weltansicht?

Sokrates erprobt im „Kratylos” die Richtigkeit der Namen und Wörter mit Hilfe etymologischer Analysen, die uns heute teilweise skurril erscheinen (ein Beispiel weiter unten!) und auch im Verlauf des Dialogs in die Aporie führen. Den Ausweg ermög­licht dann die Unterscheidung zwischen „Richtigkeit” (orthótes) und „Wahrheit” (alétheia), die eine Weiterführung des Gedankenganges in Richtung auf die dem Wort zugrundeliegende „Idee” (das eidos des Wortes) und damit auf die platonische Ideenlehre ermöglicht.

Josef Derbolav hat diesen sprachphilosophischen Gehalt des „Kratylos” in zwei ausführlichen Monographien[4] entwickelt und dargestellt und auch in einer umfang­reichen kommentierten Bibliographie zusammengefaßt, was „hundertfünfzig Jahre Kra­tylosforschung”[5] zum Thema erbracht haben.

Sein Resümee ist positiv:

Im Ganzen läßt sich also sagen, daß die platonische Frage nach der Wortrichtig­keit keines­wegs einem sprachphilosophisch bereits überholten Horizont angehört, und daß sie in entmythologisierter Form auch heute noch ernsthaft gestellt und disku­tiert zu werden verdient.[6]

Im folgenden will ich den Gedankenstrang weiterverfolgen, der im „Kratylos” unter­legen, trotzdem aber bis heute lebendig und fruchtbar geblieben ist: den Strang des Etymologisierens als der Suche nach der Wahrheit, die sich in den Wörtern versteckt.

Wenn Sprache der Weg ist, auf dem Menschen geistigen Zugang zur Wirklich­keit finden, wenn Sprache die Kraft ist, durch die wir die Welt in das „Eigentum des Geistes” (Wilhelm von Humboldt) umschaffen, dann kommt ihr für die Qualität unserer Er­kenntnis, für die Chance der „Wahrheitsfindung” entscheidende Bedeutung zu.

Je nach dem Grad meines Vertrauens in die Sprache kann die Antwort auf die Frage: Steckt die Wahrheit in den Wörtern? sich zwischen zwei Extremen bewegen: Das eine – dem die heutige Erkenntnistheorie zuzuneigen scheint – ist die Sprach­kritik, das über Jahrhunderte fortgeführte Bemühen, Unabhängigkeit von der Sprache im Denken zu erreichen. Das andere ist die Etymologie, der ebenfalls über die Jahr­hunderte hinweg fortge­setzte Versuch, die Wahrheit in den Wörtern zu entdecken.

In diesem Zwiespalt befindet sich der reflektierende Mensch, seit er über sich und seine Lebens- und Erkenntnisbedingungen nachzudenken begonnen hat, und diese Span­­nung zwischen Vertrauen in die Wörter und Mißtrauen gegen sie gehört zu den wich­­tigsten Motiven, die das Nachdenken über die Sprache – die Sprachphilosophie – in Gang gesetzt haben. Man kann also Willy Sanders beipflichten, wenn er behauptet:

Die Etymologie ist im Grunde so alt wie die Menschheit selbst, denn mit der Sprache ward dieser auch gegeben, sich zu fragen, was das Gesprochene bedeute.[7]

Aus dem naiven Versuch, die Wahrheit aus den Klängen der Wörter herauszuhören oder aus ihren Buchstaben herauszulesen, ist seitdem eine ganze Wissenschaft ge­wor­den, deren Ergebnisse und Entdeckungen in dickleibigen etymologischen Wör­ter­büchern vieler Sprachen zusammengetragen sind und die sich, wie die neuesten Ver­öffentlichungen[8] beweisen, auch in der Gegenwart des Interesses der Lehrenden und (hoffentlich auch der) Lernenden erfreut.

So verwunderlich ist das eigentlich nicht. Denn Etymologie ist nicht nur eine Wis­senschaft – und in vielen ihrer Ausprägungen und Epochen hat sie dieses Prädikat weder beansprucht noch verdient –, sondern ein Grundbedürfnis, eine Grundbeschäf­tigung des Menschen, der über seine eigenen (sprachlichen) Voraussetzungen Klar­heit zu gewinnen trachtet.

In seiner Antrittsrede als Rektor der Universität Freiburg hat Rudolf Thurneysen, der akademische Lehrer meines Vaters, im Jahre 1905 den Anspruch der Etymologie ebenso wie ihre Problematik gekennzeichnet:

Den hohen Namen der Wahrheit hat aber ein einzelner Wissenszweig mit kecker Hand an sich gerissen und wie sein spezielles Abzeichen vor die Stirn geheftet; eine einzige Disziplin nennt sich Etymologie, die Lehre vom Wahren. Gleichzeitig mit der Sprachwissenschaft, der theoretischen Beschäftigung mit der Sprache über­haupt, geboren, ist sie bis heute der Teil der Linguistik, der in erster Linie das Inte­resse weiterer Kreise zu erregen pflegt. Fragen nach der Bedeutung der Namen, nach der Herkunft der Wörter sind es, deren der Sprachforscher jeden Augenblick gewärtig sein muß. So kann sie sich nicht beklagen, wenn man ihr von Zeit zu Zeit mit dem Lichte der Wahrheit, zu dem sie sich dem Namen nach bekennt, ins eige­ne Antlitz leuchtet, wenn sie ernstlich geprüft wird, ob sie wirklich hält, was sie kühnIich behauptet. Denn wem wäre nicht bekannt, wie häufig sie doch auch Flitter für Gold geboten hat? wie die Etymologie gleichsam als geistreiches Spiel zu allen Zeiten gerade Dilettanten mächtig angezogen hat.[9]

Naives Vertrauen in die Wahrheit der Wörter hat zu Recht von jeher Mißtrauen und Kritik provoziert, aber eben diese Kritik hat auch den Fortschritt der wissenschaft­lichen Etymologie hervorgebracht.

So kann man Etymologie und Sprachkritik als eng verbunden betrachten, eins auf das andere bezogen, sich gegenseitig hervorrufend und korrigierend. Dabei ist der Blick der Sprachkritik eher nach vorn, in die Zukunft gewandt: Sie soll die Sprache verbessern, zu größerer Klarheit und Genauigkeit führen, zu neuen Leistungen be­fähigen oder gar durch eine „bessere” Sprache ersetzen. Der Blick der Etymologie richtet sich eher zurück in die Vergangenheit: Die ursprüngliche „Richtigkeit” der Wör­ter, ihr durch die geschichtlichen Veränderungen verdeckter Sinn soll wieder auf­gedeckt werden. Die historische Dimension etymologischen Forschens – heute das vor­herrschende Interesse dieser wissenschaftlichen Disziplin – hat bereits bei der Tau­fe der Etymologie Pate gestanden: die Lehre vom „Wahren”, dem „etymon”, be­zeichnet sich selbst mit einem veralteten, damals nur noch in poetischer Sprache gebräuchlichen griechischen Adjektiv, das in der Umgangssprache längst durch ein anderes (alethès) ersetzt worden war.

Wer die Wahrheit sucht, muß also auf die Ursprünge zurückgehen – kein Wunder, daß mit der Romantik im 19. Jahrhundert die „zweite Blütezeit der Etymologie”[10] (nach ihrer ersten in der Antike) beginnt.

Die Geschichte der Etymologie ist bis heute nicht geschrieben, das stellt auch Wil­ly Sanders, der Verfasser der besten mir bekannten Übersicht, fest. Sie wäre eine wesent­liche Ergänzung zur Geschichte der Sprachtheorie wie der Sprachwissen­schaft, zumal sie beiden wichtige Anregungen und Anstöße gegeben hat. In unserem Zusam­men­hang müssen wir uns mit der Andeutung einiger Stationen begnügen, ehe wir unter systematischen Gesichtspunkten auf die Ausgangsfrage zu­rückkommen. Be­reits die Genesis – noch in Herders Interpretation die „älteste Urkunde des Menschen­­geschlechts” – enthält eine theoretische Begründung der Etymologie und ihre erste praktische Anwendung:

Im Akt der Namengebung bestimmt Adam die Lebewesen, die der Schöpfer ihm zuführt, und erkennt in diesem Akt zugleich seine Sonderstellung in der Welt:

Und so gab der Mensch allem Vieh und des Himmels Vögeln und allem Wilde eine Bestimmung (einen Namen); aber für den Menschen hatte keines als Beistand ge­paßt, ihm gleichgeartet.[11]

Erst in Eva erkennt er seinesgleichen („Bein von meinem Beine und Fleisch von mei­nem Fleische”) und begründet entsprechend ihren Namen. In den gängigen Übersetzun­gen wird das freilich nicht mehr deutlich. Die Aussage „Deshalb heißt sie Weib, weil sie vom Manne genommen ist” (Gen. 2,23) verdeckt die hebräische Etymologie, die Luther in seiner kreativen Übersetzung noch deutlich gemacht hatte: „Man wird sie Mennin heissen, darumb, das sie vom Manne genommen ist.”[12]

Das Vertrauen in die „Richtigkeit der Namen” ist auch die Ausgangsbasis, von der her Kratylos in Platons berühmten gleichnamigen Dialog seine Etymologien ent­wickelt und begründet. Sanders bezeichnet dieses Werk als „die erste ausführliche Aus­einandersetzung mit etymologischen Problemen”, weist aber gleichzeitig darauf hin, daß es „auf den sprachphilosophischen Bestrebungen der vorhergehenden und seiner Zeit” fuße.[13]

Aus der Fülle der Etymologien, die Sokrates im Gespräch mit Kratylos und Her­mogenes in diesem Dialog zur Diskussion anbietet, sei nur ein Beispiel ausgewählt, das dazu dienen kann, das Verfahren und seine Problematik zu beleuchten: der Name des Gottes Poseidon. Sokrates hat dafür gleich drei mögliche Etymologien zur Hand:

Poseidon nun mag wohl deswegen so benannt worden sein von dem, der ihn zuerst nannte, weil ihn im Gehen die Gewalt des Meeres aufhielt und ihn nicht weiter schrei­ten ließ, sondern ihm gleichsam eine Fessel wurde für seine Füße. Daher nannte er den diese Gewalt beherrschenden Gott „Poseidon”, weil er ein posidesmos war, und das i ist vielleicht nur seiner Schicklichkeit wegen zum ei verlängert. Viel­leicht aber wollte er auch das nicht sagen, sondern es waren statt des s zwei l, weil nämlich der Gott ein polla eidos ist, vieles weiß. Vielleicht heißt er aber auch der Erschütternde, ho seidon, und das p und d sind nur hineingesetzt.[14]

Dieser, nach unserem Verständnis von wissenschaftlicher Etymologie höchst leicht­sinnige Umgang mit der Laut- und Buchstabenstruktur der Wörter macht es Sokra­tes leicht, im weiteren Verlauf den Ansatz des Kratylos zu widerlegen. Trotzdem hat er sich, wie wir sehen werden, bis ins Mittelalter erhalten und ist bereits in der Anti­ke zu einer systematischen Methode verfeinert worden, die fast jede beliebige Ver­änderung der Wörter legitimierte, wenn sie zu einer einleuchtenden etymologischen Deutung führen konnte. M. Terentius Varro hat in seinem umfangreichen Werk De lingua Latina, von dem uns 6 Bücher erhalten geblieben sind, vier Methoden sol­cher Wortveränderung im Dienst der Etymologisierbarkeit der Wörter aufgeführt: demptio (d.h. das Weglassen von Buchstaben), additio (d.h. das Hinzufügen), traiectio (d.h. das Versetzen) und commutatio (d.h. das Austauschen).

Daß man mit solchen Methoden aus allem alles machen kann, haben wir schon als Schüler eines humanistischen Gymnasiums demonstriert, indem wir die Entwicklung von griech. alopex zu dtsch. Fuchs hersagten: alopex – lopex – opex – pex – pix – pax – pox – pux – Fuchs.[15] Wird mit diesen Methoden den Wörtern von ihrer Laut­gestalt her Gewalt angetan, damit die beabsichtigten inhaltlichen Ableitungen oder Überein­stimmungen Wahrscheinlichkeit gewinnen, so gibt es ein vergleichbares Ver­fahren auch im Hinblick auf die semantische Seite: Gleich oder ähnlich klingende Wör­ter werden einander zugeordnet, auch wenn ihre Bedeutungen weit auseinanderliegen.

Von den vier Möglichkeiten, die die griechisch-lateinische Etymologie dafür an­bietet: enárgeia = similitudo = Klarheit/Ähnlichkeit; analogia = vicinitas = Ent­sprechung/Nähe; katáchresis = abusio = Abnutzung/Mißbrauch; enantiosis = con­trarium = Widerspruch/Gegenteil, stellt die letzte für unser heutiges Denken wohl die größte Herausforderung dar, besagt sie doch nichts anderes, als daß die „eigentliche, ursprüngliche” Bedeutung eines Wortes darin begründet liegt, daß sie das Gegenteil eines ähnlich klingenden beinhaltet. Berühmt geworden sind einige der entsprechen­den Etymologien, z.B.: Der Name des Bogens (griech. biós) ist Leben (griech. bios), sein Werk ist der Tod.[16] Oder: Das lateinische Wort lucus (der Hain, der Wald, die Lichtung) klingt ähnlich dem Verb lucere (leuchten) und ist nach dem heutigen Stand etymologischer Forschung damit auch stammverwandt. Da es in Wäldern und Hainen aber eher dunkel zu sein pflegt, etymologisierten die Römer auf der Basis des contrarium: lucus a non lucendo. Ähnlich erging es dem Hund: Seine lateinische Bezeichnung canis erinnerte an canere (singen). Hier liegt allerdings nach heutigem Wissensstand keine wirkliche etymologische Verwandtschaft vor: canis, dtsch. Hund geht auf einen anderen, sehr alten Stamm zurück, der in den meisten idg. Sprachen belegt ist (z.B. griech. kyon), während unser Wort Hahn zu lat. canere gehört. Da aber das Gebell der Hunde schlecht als Gesang interpretiert werden kann, hilft auch hier die Er­klä­rung aus dem Gegenteil: canis a non canendo.

Die etymologische Tradition der Antike wurde besonders durch Isidor von Sevilla (um 560-636), den „letzten abendländischen Kirchenvater”, dem Mittelalter vermit­telt. Sein zwanzig Bücher umfassendes Hauptwerk, eine Art Realenzyklopädie der Spät­antike, trägt den Titel „Etymologiae” bzw. „Origines” zu Recht, denn es zeugt von ungebrochenem Vertrauen in die „Kraft” der Wörter, die sich besonders in der Ent­schlüsselung ihres Ursprungs erweist: „Etymologia est origo vocabulorum, cum vis verbi vel nominis per interpretationem colligitur (...) Nam dum videris unde ortum est nomen, citius vim eius intellegis. Omnis enim rei inspectio etymologia cognita planior est.”[17]

Alle seit der Antike entwickelten Möglichkeiten der Etymologie werden ent­sprechend fortgeführt und sogar noch um neue Varianten bereichert. So können ein und dem­selben Wort (wie schon im Kratylos) mehrere verschiedene Etymologien zugeordnet werden, ohne daß dieses Verfahren als widersprüchlich betrachtet würde. Im Gegen­teil: Jede neue Etymologie gilt als eine Bereicherung für die Einsicht in die Aussage­kraft der Namen und Wörter. Nur einige Beispiele seien angeführt:

Für das lateinische Wort mors bietet schon die Antike zwei Ableitungsmöglich­keiten: vom Kriegsgott Mars oder vom Adjektiv amarus (bitter). Nach biblischer Lehre geht nun aber der Tod aus dem Sündenfall des ersten Menschenpaares hervor, genauer: aus dem verbotenen Biß in den Apfel. Also läßt sich das Wort auch aus dieser Sicht erklären: „mors a morsu hominis primi, quod vetitae arboris pomum mor­dens mortem incurrit”.[18]

Das Verfahren ex contrario wird weiter ausgebaut: bellum = res non bella

Parcae quod minime parcant

mane: a maneo per antiphrasin eo quod ipsa diei hora non manet[19]

Eine neue Variante ist die Deutung von Wörtern nach Art von Akronymien (ein Verfahren, das in der Gegenwart bei vielen Akü-Wörtern durchaus berechtigt wäre), die auch auf Wörter der nicht lateinischen Muttersprachen (die jetzt allmählich Be­achtung zu finden beginnen) angewandt wird. So leitet Heinrich Vrouwenlop das mhd. wip aus seinen Einzelbuchstaben ab: w(üne) i(rdisch) – p(aradis).[20]

Für das Mittelalter hat die Etymologie einen zentralen Stellenwert. Das Vertrauen auf das Wort Gottes ist die theologisch begründete Stütze einer Erkenntnistheorie, die aus den Wörtern den Sinnzusammenhang der Schöpfung und aus den Namen die Bestimmung ihrer Träger herausliest. „Die (hoch)mittelalterliche Etymologie sucht, gestützt auf die heilige Schrift, den in jedem Wort verschlossenen sensus spiritualis zu enthüllen, d.h. den beim Schöpfungsakt in der Kreatur versiegelten Sinn der Sprache dem menschlichen Verständnis zu erschließen. Insofern ist die Etymologie damals allgemeine Denkform – dies so verstanden, daß sie jener Zeit als Mittel dient, den tiefen allegorisch-theologischen Sinngehalt aufzudecken, der hinter den Buchstaben jedes Wortes verborgen liegt.”[21]

Einige Beispiele aus einem anderen „Standardwerk” des Mittelalters mögen dies noch einmal illustrieren: die Namendeutungen der Legenda Aurea des Jacobus de Voragine (ge­schrieben zwischen 1263 und 1273). Jeder der vielen darin versammel­ten Heiligen­le­gen­den ist eine Namensetymologie vorangestellt, die dem Leser die freie Auswahl läßt; z.B.:

Nicolaus kommt von nicos, das ist Sieg, und laos, das ist Volk, und heißt also: ein Über­winder des Volkes, nämlich aller Untugenden, die gewöhnlich und gemein sind. Oder er heißt Sieg des Volkes, weil er viele Völker durch Ermahnung und Beispiel gelehrt hat, wie sie die Untugenden und Sünden sollen überwinden. Oder Nicolaus kommt von nicos, Sieg, und laus, Lob; sieghaftes Lob. Oder es kommt von nitor Glanz, und laos, Volk: Glanz des Volkes; denn in ihm war das, was rein und glänzend macht.[22]

Sebastianus kommt von sequens, das ist folgend; beatitudo, das ist Seligkeit; astin, das ist Stadt; und ana, das ist oben; und heißt: einer der nachfolgt der Seligkeit der oberen Stadt (...) Oder Sebastianus kommt von bastum, das heißt Sattel: Christus ist der Ritter, die Kirche das Roß, Sebastianus der Sattel (...) Oder aber Sebastianus heißt einer, der umgeben ist: denn er war mit Pfeilen umgeben, wie ein Igel mit Stacheln (...)[23]

Blasius kommt von blandus, süß; oder es ist soviel wie Belasius und kommt von bela, Kleid und sior, klein. Denn er war süß in seiner Rede, gekleidet mit dem KIeid der Tugenden, klein durch die Demut seiner Sitten. usw.[24]

Fast gleichzeitig mit der Legenda Aurea wird im Jahre 1286 ein umfangreiches (la­teinisches) etymologisches Wörterbuch vollendet: das „Catholicon” des Johannes (Bal­bi) von Genua, das zusammen mit weiteren vergleichbaren Werken wie dem „Vo­ca­bulista” des Papias, der „Panormia” (auch „Derivationes”) des Osbern von Gloucester und dem „Liber derivationum” des Hugutio von Pisa eine erste Gene­ration dieser Gattung bildet, die bis in die Zeit des Humanismus fortgewirkt hat.[25]

Den entscheidenden Anstoß zur Entwicklung der „wissenschaftlichen” Etymolo­gie im heutigen Sinne gab gegen Ende des 18 Jh. die Entdeckung des Sans­krit, genauer: der Verwandtschaft zwischen diesem „Latein des fernen Ostens” und den übrigen „in­dogermanischen” Sprachen, die der Sprachwissenschaft (speziell als Indogermani­stik) und der Sprachgeschichte völlig neue Perspektiven eröffnete und ihre Methoden revolutionierte. Friedrich von Schlegel setzt sich in seinem pro­gram­matischen Werk „Über die Sprache und Weisheit der Indier” ausdrücklich von den bisher üblichen Formen des Etymologisierens ab, wenn er die Verwandt­schaft des Sanskrit mit der römischen, griechischen, germanischen und persischen Sprache aufweist:

Daß die behauptete Verwandtschaft nicht irgend auf etymologischen Künsteleien be­ruhe, deren man, ehe die rechte Quelle gefunden war, so viele ersonnen hat, son­dern daß sie dem unbefangenen Forscher als einfache Tatsache sich darbiete, werden einige Beispiele am deutlichsten zeigen können. Wir erlauben uns dabei keine Art von Veränderungs- oder Versetzungsregel der Buchstaben, sondern for­dern völlige Gleichheit des Wortes zum Beweise der Abstammung.[26]

Damit war das Programm für die sprachwissenschaftliche Forschung eines ganzen Jahrhunderts angesprochen. An seiner Ausführung beteiligten sich fast alle „großen” Sprachwissenschaftler dieses Zeitraums: die Brüder Schlegel, Rasmus Kristian Rask, Franz Bopp, Jacob Grimm, August Friedrich Pott, Rudolf von Raumer, Hajim Stein­thal, August Schleicher, Wilhelm Scherer, Johannes Schmidt, Eduard Sievers, Karl Verner, die sog. Junggrammatiker, unter ihnen besonders Karl Brugmann und Her­mann Osthoff sowie Hermann Paul – um nur die wichtigsten zu nennen.

Friedrich Schlegels Grundsatz, an den Buchstaben nichts zu verändern, war bald nicht mehr zu halten. Aber gerade die Veränderungen der Buchstaben bzw. der Lau­te wurden zum ergiebigsten Forschungsgegenstand, da man Schritt für Schritt die Ge­setzmäßigkeiten aufdeckte, auf denen diese Veränderungen, die „Lautverschiebun­gen”, beruhten. Und gerade die dabei auftretenden Unregelmäßigkeiten, die Aus­nahmen, führten zur Entdeckung von neuen Regeln wie dem „Vernerschen Gesetz”, das den noch im Germanischen wechselnden Akzent als Ursache für den „gramma­ti­schen Wechsel” erkennt. So konnten Hermann Osthoff und Karl Brugmann 1878 erklären:

Aller lautwandel ... vollzieht sich nach ausnahmslosen gesetzen ... und alle wörter, in denen der der lautbewegung unterworfene laut unter gleichen verhältnissen er­scheint, werden ohne ausnahme von der veränderung ergriffen.[27]

Auch wenn dieses „Glaubensbekenntnis” der Junggrammatiker heute als wider­legt gelten muß, haben die ebenso intensiven wie extensiven Forschungen dieser Epoche die Etymologie auf ein neues Fundament gestellt. Zwar stand bei vielen der genann­ten Forscher die Lautgestalt der Sprache (also nicht ihr „Wahrheitsgehalt”) im Vor­dergrund des Interesses, aber nur auf diese Weise konnte eine solide Grundlage auch für die Geschichte der „Bedeutungen” der Wörter innerhalb der indogermanischen Sprachenfamilie geschaffen werden. Beides vereinen die großen Wörterbücher, die aus diesen Arbeiten hervorgegangen sind, angefangen vom Jahrhundertwerk der Brü­der Grimm, dessen erster Band 1854, der letzte 1960 erschienen ist, über Hermann Pauls Deutsches Wörterbuch, Trübners Deutsches Wörterbuch, Friedrich Kluges Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (die in den Neubearbeitungen von Walther Mitzka und Werner Betz noch heute unentbehrliche Nachschlagewerke darstellen) bis hin zu Julius Pokornys Indogermanischem etymologischen Wörter­buch und der Fülle der etymologischen Nachschlagewerke für die Einzelsprachen der indogermanischen „Familie”.

So sind wir heute in der Lage, die Geschichte der meisten Wörter unserer Sprache in lautlicher wie in inhaltlicher Sicht weit zurückzuverfolgen, die Wandlun­gen zu be­obachten, die beide – Klang und Bedeutung – über die Jahrhunder­te, sogar über Jahr­­­tausende hinweg durchgemacht haben, ihre indogerma­nischen „Wurzeln” zu er­schließen und überraschende Beziehungs­zusammenhänge zu entdecken, die auch Aus­kunft darüber versprechen, welche ursprüngliche „Idee” einem Wort zugrundege­legen haben mag. So gehört unter heutiges Wort Haut (ahd. hut) beispielsweise ge­meinsam mit seinen ger­manischen Verwandten wie engl. hide, niederl. huid oder schwed. hud zu einer (er­schlossenen) idg. Verbalwurzel *(s)keu, deren Bedeutung man als bedecken oder um­hüllen umschreiben kann. Aus derselben Wurzel haben sich eine ganze Reihe heutiger deutscher Wörter entwickelt, beispielsweise: Scheune (ahd. scugin(a)); Schuh (ahd. scuoh); Schote; Haus (ahd. hus); Hütte (ahd. hut­ta); Hode (ahd. hodo); Hose; Hort. Verwandte Wörter aus anderen indogermanischen Sprachen sind etwa lat. obscurus = dunkel (urspr.: „bedeckt”) oder aind. skunati = „bedeckt”.

Vor der Entwicklung der „wissenschaftlichen” Etymologie wären Etymologen bei aller Leichtfertigkeit der Zuordnung und Veränderung von Wörtern schwerlich auf den Gedanken gekommen, bei diesen Wörtern eines auf das andere zu beziehen oder aus dem anderen zu erklären. Weder ihre heutige Lautung noch ihr heutiger Sinn geben dazu hinreichend Anlaß. Erst die sorgfältige vergleichende sprachgeschicht­liche Untersuchung führt zu ihrer gemeinsamen Wurzel, die dann freilich auch vom Bedeutungsgehalt der Wörter her einleuchtet, denn gemeinsam erscheint allen der Grundgedanke des Bedeckens, Umhüllens oder Versteckens – ein Gedanke also, der im Verlauf der Sprachgeschichte in ganz verschiedenen Wörtern seine Bedeutsam­keit und Reichweite erwiesen hat. Wer in dieser Weise in einem etymologischen Wörterbuch zu blättern beginnt, gerät auf eine Entdeckungsreise, die ihm eine Fülle überraschender Einsichten in Sprach- und Kulturgeschichte verspricht.

Wer weiß schon,

·      daß der Ahorn mit seinen spitzen Blättern zur Ecke gehört (wie übrigens wahr­scheinlich auch das Zahlwort acht)

·      daß im Amboß (einer Lehnbildung zu lat. incus) das untergegangene mhd. Verb bozen = „schlagen” steckt

·      daß angst und bange (ursprünglich: be-ange) vom selben Adjektiv eng abge­leitet sind

·      daß Asche und Esse aus derselben Wurzel hervorgegangen sind

·      daß in unserem Wort Arzt (ahd. arzât) der alte Titel der „Oberärzte” (archiatros) am Hof der Seleukiden in Antiochia erhalten geblieben ist, der über die Römer zu den Merowingern kam und die germanische Bezeichnung (ahd. lâchi = „Be­sprecher”) verdrängte

·      daß auf-wiegeln als Intensivbildung von be-wegen abgeleitet ist

·      daß das (heute schon wieder absterbende) Wort Ausbund („ein Ausbund von Tüchtigkeit”), bezeugt seit dem 16. Jh., durchaus wörtlich verstanden werden kann: das, was ein Verkäufer – etwa bei einem Blumenstrauß – nach außen bindet, also als werbeträchtig zur Schau stellt

·      daß das Adjektiv bitter zum Verb beißen gehört, also ursprünglich einen „beißen­den” Geschmack bezeichnen sollte

·      daß im Wort bequem (ursprünglich: „zukommend, passend”) die alte Lautung des heutigen Verbs kommen (got. qiman ahd. queman) erhalten geblieben ist

·      daß das Substantiv Braten (mit seiner alten Ableitung Wildbret) ur­sprüng­lich mit dem Verb braten nichts zu tun hatte, sich dann aber im Mittel­hoch­deutschen durch eine nachträgliche etymologische Anlehnung von seiner ur­sprüng­lichen Bedeutung (ahd. brato = „schieres Fleisch”) zur heutigen („ge­bra­tenes Fleisch”) entwickelte?

Der Anspruch der „wissenschaftlichen” Etymologie und die Fülle ihrer häufig über­raschenden und faszinierenden Erkenntnisse haben aber keineswegs die alten Quellen der „naiven” Etymologie zum Versiegen gebracht. Zwei breite Ströme fließen – un­ge­hindert von den Ansprüchen und Kriterien der Wissenschaftlichkeit – auch heute weiter wie eh und je: die Kindesetymologien und die Volksetymologie. In ihnen do­kumentiert sich das ursprüngliche menschliche Bedürfnis, den Dingen mit Hilfe der Wörter auf den Grund zu kommen. Einige Beispiele mögen dies belegen:

a) zur Kindesetymologie

Schon in den frühen Phasen des Spracherwerbs wenden Kinder „etymologische” Prin­­zipien an, d.h. sie versuchen, neue Wörter an bereits bekannte anzuschließen und von ihnen her zu verstehen. Werden die Ergebnisse solcher Bemühungen als unzu­reichend oder unbefriedigend empfunden, so ergibt sich schon erstaunlich früh eine Kombination von Etymologie und Sprachkritik, den beiden Polen, zwischen denen das Sprachvertrauen – wie zu Anfang erwähnt – schwanken kann.

Das Beispiel dazu entnehme ich meinen Notizen zur Sprachentwicklung der eige­nen Kinder. (Jeder, der die Sprachentwicklung von Kindern in den ersten Lebens­jahren aufmerksam verfolgt, wird sie um eigene Beispiele ergänzen können.)

Im Alter von 3 Jahren und 8 Monaten (3;8) beginnt Katharina, Wörter zu erklären:

·      „Ein Bilderbuch ist ein Buch mit Bildern.”

·      „Ein Gängelband ist ein Band, damit kann man gängeln.” (3;8) „Der Schäfer­mann (!) heißt so, weil er viele Schäfe (!) hat.” (3;9) „Fischstäbchi” (= Fisch­stäb­chen): das ist vorne Fisch und hinten Stäbchi.” (3;9)

·      „Das heißt Hallenbad, weil es in einer Halle ist.” (4;0)

·      „Der Unterrock heißt so, weil er unter den Rock kommt und weil er so aus­sieht wie die anderen Röcke auch.” (4;1 )

Diese Wortdeutungen halten sich im Rahmen der geltenden Wortbildungsregeln und kommen deshalb auch zu „akzeptablen” Erklärungen. Interessanter erscheinen die so­ge­­nannten „Fehlleistungen”, in denen sich ein höheres Maß an Kritik und Krea­ti­vi­tät manifestiert:

Katharina hat jemanden von „krausen” Haaren sprechen hören. Sie erklärt: „Jetzt habe ich grausige Haare.” (3;7)

Den Lieferwagen nennt sie Läuferwagen mit der expliziten Begründung: „Weil die Räder laufen.” (4;1)

Lambert (2;10) bekommt morgens für die Zähne Kalktabletten. Da er sich deren Namen nicht erklären kann, wandelt er ihn ab und kritisiert ihn zugleich: „Mama, Kalt­tabletten sind doch nicht kalt!”

Wortdeutung und Kritik (an der fremdsprachlichen Lautung) verbinden sich in Katharinas Vorschlag:

„Ich weiß einen neuen Namen für Knäckebrot: Knackebrot.” (4;2)

Ihr Brüderchen Martin etymologisiert den Namen in anderer Richtung: „Schnecken­brot” (2;7).

Katharina hat erfahren, daß man im Wasser wegen Sauerstoffmangel ersticken kann. Mit „Sauerstoff” kann sie allerdings wenig anfangen. So erklärt sie am näch­sten Morgen beim Frühstück:

„Also, wenn man ins Wasser runtergeht und das ist ganz tief, dann muß man Süß­stoff mitnehmen.” (4;4)

Lambert ersetzt den (durchaus kritisierbaren) Begriff Fußgängerüberweg aus der Verwaltungssprache durch die anschauliche Wendung Fußgänger-über-den-Weg (4;0).

Spracherwerb ist eben nicht – wie behavioristische Lerntheorien glauben machen wollen – ein Regelkreis von Reiz und Reaktion, nicht „ein Zumessen von Wörtern, Niederlegen im Gedächtnis und Wiedernachlallen mit den Lippen, sondern ein Wachsen des Sprachvermögens”[28], d.h. ein aktives Nachschaffen vorgegebener Sprache, ge­steuert vom Sprachbedürfnis und Sprachvermögen des Kindes, das das sprachliche Angebot der Umwelt auch auf seine Sinnhaltigkeit und Sinnhaftigkeit befragt. So folgt dem ersten Fragealter – den Fragen nach dem Namen der Dinge – schon bald das zweite mit den Fragen nach deren Motivation und Begründung: die Frage: „Was ist das?/Wie heißt das?” wird ergänzt durch die Frage: „Warum heißt das so?” Und wenn die Umwelt oder das Kind selbst auf diese Frage keine befriedigende Antwort zu geben weiß, entsteht Sprachkritik.

Am Beispiel Stiefmütterchen stellt Katharina (4;0) die Grundfrage etymologisch gerichteter Sprachkritik: „Papa, warum heißen die Stiefmütterchen Stiefmütter­chen?” und beantwortet sie, da sie keine Antwort erhält, etymologisierend auf ihre Weise: „Die heißen so, weil die Mütterchen nicht mit Stiefeln darauf treten sollen.” Kritische Al­ter­nativen zum bestehenden Sprachgebrauch enthalten die beiden folgenden Vor­schläge:

„Das heißt Briefkasten sind Briefe drin. Sind aber auch Zeitungen drin, könnte heißen: Zeitungskasten.”

Heuschrecken – warum heißen die mit „Schreck”? Könnten „Schnecken” heißen. Hab schon mal gesagt: Heuschnecken.”[29]

b) zur Volksetymologie

Wie in der Kindesetymologie gehören Tierbezeichnungen auch zu den beliebten An­satzpunkten der Volksetymologie, zumal sich manche von ihnen (Fliege, Rot­kehl­chen, Zaunkönig)[30] leicht und erfolgreich erklären lassen. Ebenso leicht kann man allerdings auch in die Irre gehen. Daß der Vielfraß (ahd. vilifraz = „der Gefräßige”) seinen Namen einer etymologischen Umdeutung der norwegischen Bezeichnung fjeldfross = „Bergkater” verdankt, ist heute allgemein bekannt.

Der Maulwurf ist gleich zweimal einer solchen Umdeutung unterworfen worden. Während der zweite Bestandteil dieses zusammengesetzten Namens (zu werfen) uns bis heute verständlich und geläufig geblieben ist, ist der erste im Laufe der Sprachge­schichte zweimal untergegangen:

Ursprünglich steckt darin ein Wort für „Haufen”, das in engl. mow = „Heu-” oder „Strohhaufen” noch heute weiterlebt. Der ahd. Name muwerf bestimmte das Tier also als einen „Haufenwerfer”. Nachdem das Bestimmungswort dann in spät­alt­hoch­deutscher Zeit untergegangen war, d.h. nicht mehr verstanden wurde, kam es zur ersten volksetymologischen Umdeutung: Der Name wurde an ahd. molta, mhd. molt(e) = „Erde, Staub” angehängt (zu diesem, aus dem Wortstamm mahlen abge­leiteten Wort gehören nhd. Mühle, Müll, Mull, Mehl und Milbe), das Tier also als „Erdwerfer” verstanden. Auch dieses Wort kam außer Gebrauch. Als neuer (volks-)ety­mologischer Anschluß bot sich mhd. mul = nhd. Maul an, so daß uns der Maulwurf heute als das Tier erscheint, das seine Erdhaufen „mit dem Maul aufwirft”. Die ähnlich komplexe Namensgeschichte des Ohrwurms hat Elmar Seebold[31] aus­führlich dargestellt.

Zu den beliebtesten Objekten der Volksetymologie aber zählen die Namen, beson­ders die Ortsnamen, aus denen die Bewohner der Orte etwas über die eigene Vergan­genheit zu erfahren suchten. Die Diskrepanz zwischen wissenschaftlicher und naiver Etymologie erscheint nirgends größer als auf diesem Gebiet. Auch die Existenz aus­führlicher Namenwörterbücher[32] hat dem fröhlichen Etymologisieren nicht Einhalt gebieten können, das sich nicht auf die einschlägigen Beschäftigungen von Dorf­pfar­rern und -lehrern beschränkt. Berühmt geworden ist Ludwig Uhlands Etymologie für den Namen der Ruine Achalm bei Reutlingen:

„Ach Allm!” stöhnt’ einst ein Ritter; ihn traf des Mörders Stoß!

„Allmächtiger!” wollt’ er rufen; man hieß davon das Schloß.

Ähnlich soll es dem Ritter von der Amöneburg (bei Marburg an der Lahn) er­gan­gen sein, als er nach einem Trinkgelage seine Heimatburg suchte und, sie endlich im Mor­gen­grauen erblickend, erleichtert aufseufzte: „Ah, möne Burg!”

Die Reihe läßt sich beliebig fortsetzen. Selbst für Ortsnamen, deren einzelne Be­standteile noch heute einsichtig erscheinen, werden die gewagtesten Etymologien an­ge­boten, beispielsweise für Herford („Heeres-” oder „Sumpffurt”) und Bielefeld („Feld am Fluß oder Sumpf”):

Hier soll zur Zeit der Sachsenkriege Karl der Große sich unter einer Eiche auf­ge­halten haben, von der Widukind gerade einen dicken Ast abhackte, dabei aber sein Beil fallen ließ und uneigennützig seinen Bezwinger warnte: „Herre fort! S' Bie­le fällt! „

Nun ist die Suche nach der Herkunft der geographischen Namen, besonders der Fluß- und Ortsnamen, kein leichtes Geschäft, da sie häufig in die tiefe Vergangenheit und zu alten (teilweise vorgermanischen) Sprachschichten führt, die eine nach der an­deren aufgedeckt werden müssen (schon deshalb führt eine Anknüpfung an die heutige Namensform so leicht in die Irre). Die Namen von Ortschaften, die heute gegründet oder umbenannt werden, sind meist leicht zu durchschauen (soweit sie nicht altes Namengut, beispielsweise Flußnamen enthalten): Eisenhüttenstadt, Erftstadt, Swist­tal, Lahn (inzwischen als Städtenamen für die Zusammenlegung von Gießen und Wetzlar wieder abgeschafft).

Auch die Stadtgründungen, mit denen Landesherren sich ein Denkmal setzen woll­ten, erfüllen bis heute noch diesen Zweck: Karlsruhe, Ludwigshafen, Karlshafen, Ludwigsburg, Wilhelmshafen ...

Bei fränkischen Dorfgründungen am Rhein muß man schon etwas genauer hin­sehen: Bachem < Bachheim, Mehlem < Mühlheim, Berkum < Bergheim...

Latei­ni­sche Ortsnamen bewahren die Erinnerung an römische Heerlager und Städte in Süd­deutschland wie am Rhein: Köln < Colonia, Deutz < Divitia, Koblenz < Confluentes, Regensburg < Castra Regina...

Oft ist in ihnen aber auch älteres keltisches Namengut erhalten; so in Remagen (lat. Rigomagus), Andernach (lat. Antuniacum), Zülpich (lat. Tolbiacum) ...

Als besonders alte Namensschicht erweisen sich viele Flußnamen, deren etymo­lo­gische Deutung bis heute Schwierigkeiten bereitet: Rhein (lat. Rhenus), Donau (lat. Danubius), Maas (lat. Mosa, wovon der Name der Mosel als „kleine Maas” = Mosel­la abgeleitet erscheint) ...

Daß eine sorgfältige Etymologie der Ortsnamen für die Erforschung der Sied­lungs- und Kulturgeschichte einer Landschaft eine besondere Rolle spielen kann, steht außer Zweifel.

Ähnliches gilt für die Personennamen. Hier ist zu unterscheiden zwischen den beiden Pfeilern unseres heutigen Namensystems: den Vornamen und den Familien­namen. Die zweite Gruppe ist relativ jung: Familiennamen bildeten sich bei uns erst im Mittelalter mit dem Wachsen der Städte heraus (unter deren zunehmen­der Bevöl­kerung man zwischen den verschiedenen Heinrichs, Ottos, Wolframs, Walthers oder Friedrichs unterscheiden mußte). Viele Familiennamen verraten heute noch offen ihre Herkunft und Bildungsweise, so die

·      Vaternamen: Paulsen, Peterson, Friedrichs, Frings (Sohn des Severin, ent­sprechend heißt heute bei den Kölnern das Severinsviertel „Fringsveedel”, die Seve­rinsbrücke „Fringsbrück”)

·      die Herkunftsnamen: Schlesinger, Heß, Marburger, Böhm ...

·      die Berufsnamen: Schmidt, Schäfer, Müller, Becker ..., in denen sich auch die Be­zeichnungen inzwischen ausgestorbener Berufe erhalten haben: Esser = Achsen­macher, Wagner, Euler (= Töpfer) usw. (Im Humanismus wurden sol­che Berufsnamen besonders gern latinisiert: Molitor = Müller. Piscator = Fischer usw.)

·      Namen nach besonderen Kennzeichen: Groß, Klein, Mager, Weißhaar . . .

·      Spitz- und Spottnamen: Bangemann, Hasenfuß, Profittlich ...

Die Vornamen haben eine weit längere Geschichte und dokumentieren durch ihre Her­kunft unsere jüdisch – christlich – griechisch – lateinisch – germanische Tradition: von Adam („Mensch”) und Eva („Leben”) über Paul („der Kleine”) und Katharina („die Reine”), über Felix („der Glückliche”) und Beate („die Selige”) bis zu Lambert („der im Lande Glänzende”) und Adelheid („von edler Art”).

Welche Wunschvorstellungen sich ursprünglich mit der Namengebung verban­den, wird in vielen Namen noch deutlich (selbst wenn sie heute nicht mehr so verstanden werden): von Immanuel („Gott mit uns”) über Amadeus („Gottlieb”) bis zu Gotthelf, Traugott oder Fürchtegott.

Mit welchen Schwierigkeiten die Deutung eines Namens aber auch verbunden sein kann, sei am Beispiel eines Volksnamens („deutsch”) angedeutet.[33] Die Sonder­stellung von „deutsch” wird im Vergleich mit anderen Namen für Sprachen und Völ­ker deutlich, bei denen ein Länder- oder Stammesnamen den Ausgang bildet, z.B.

·      Spanien – > Spanier – > spanisch

·      Italien – > Italiener – > italienisch

·      Angeln – > England – > englisch

·      Franken – > Frankreich – > fränkisch/französisch

Im Gegensatz dazu hat bei der Entstehung des Wortes deutsch die Sprache eine ent­scheidende Rolle gespielt: Die ersten Belege für das mlat. Wort theodiscus beziehen sich auf Sprache:

¨    tam latine quam theodisce (bei Georg von Ostia und Amiens 786)

¨    quod theodisca lingua harisliz dicitur (788, nach Akten des Ingelheimer Reichstags) u.a.

Das entsprechende ahd. diutisk läßt sich in schriftlichen Zeugnissen bis gegen 900 zurückverfolgen und ist abzuleiten aus einem westfr. *theudisk mit der Bedeutung „zum eigenen Stamm gehörig”, das als Gegensatz zu walhisk = „welsch” vor 700 an der sich herausbildenden deutsch-französischen Sprachgrenze entstanden sein muß. Die Anbindung an lat. teutonicus, dessen Bedeutung sich vom klassischen Latein (teutonicus – „gallisch”) zum Mittellatein (teutonicus = „deutsch”) gewandelt hat, verhalf dem Wort zu einer historischen Dimension.

Die Entwicklung des Wortes, die hier nicht im einzelnen aufgezeigt werden kann, läßt sich durch seinen Stammbaum veranschaulichen.[34] Daß es sich bei solchen ety­mologischen Untersuchungen um mehr als laut- oder form­geschichtliche For­schun­gen handelt, macht die Entstehungsgeschichte der zu­sam­menfassenden Darstel­lung meines Vaters zu diesem Thema deutlich.[35] Er schreibt im Vorwort dazu:

Die vorliegende Fassung (ist) im wesentlichen in den Monaten Mai und Juni des Jahres 1945 entstanden. (...) Das bedeutet mehr als eine chronologische Feststel­lung: Es führt hinein in das Inferno jener Tage, für deren unsägliche äußere und innere Bedrängnis zwei Tatsachen entscheidend sind, die alles andere überschatten: das Entsetzen über das, was in der damals der deutschen Öffentlichkeit bekannt wer­den­den grauenvollen Wirklichkeit eines Buchenwald und Auschwitz dem deut­schen Namen angetan war, und die Erschütterung durch das furchtbare Schicksal, das sich über dem deutschen Osten zusammenzog. (...) Der Anstoß, eine zum Ab­schluß reife wissenschaftliche Untersuchung auch angesichts dieser Bedingungen zu vollenden, kam vielleicht aus der bangen Frage, ob die Idee Deutsch tragfähig genug sei, um auch solchen Anstürmen standzuhalten. (...) Wenn an wiederholten Stellen sich als besonderes Anliegen aufdrängt, diese Gedanken und Ergebnisse möch­ten auch zu einer sinnvollen Gestaltung des deutsch-französischen Verhält­nis­ses beitragen, so entspringt das nicht nur einem dem Verfasser aus persönlichem Schicksal naheliegenden Wunsch (Mein Vater ist in Metz geboren und aufge­wachsen. B.W.) Es steht dahinter die Erkenntnis, daß der mit dem Volksnamen Deutsch eingeschlagene Weg nur zum Ziele führen kann, wenn der fränkische Name und der fränkische Volksbegriff sich wieder zusammenfinden, wenn mit unbeirrbarem Willen die Sprach- und Volksgrenze, als deren Kennwort einst das west­fränkische theudisk entstand, im Sinne dieses Wortes auf höherer Ebene über­­brückt und damit der Ertrag eines Geschehens gesichert wird, das der eigen­stän­di­gen Entfaltung mit der gliedhaften Einordnung in eine abendländische Ge­mein­­schaft erst ihren eigentlichen Sinn verleiht.”[36]

Dieses Vorwort mag nicht nur deutlich machen, daß auch in Zeiten größter Be­dräng­nis das Etymologisieren seinen Sinn behalten kann, sondern es erlaubt uns auch, den Kreis unseres Gedankenganges zu schließen, indem wir an dessen Anfang zurück­kehren: Die „Idee” des Wortes deutsch – eben das, was Platon im „Kratylos” als Ausweg aus dem unfruchtbaren Etymologisieren erscheint – umfaßt weit mehr als seine Lautung und deren Geschichte, in ihr kristallisiert sich ein geistiger Zugriff auf Wirklichkeit, der für eine bestimmte Sprachgemeinschaft zu einer bestimmten Zeit wichtig, oft sogar not-wendig geworden ist und im Laufe der Zeit seine Fruchtbar­keit (oder Unfruchtbarkeit) erwiesen hat. Der Geschichte einer solchen „Wortidee” auf der Grundlage solider sprachgeschichtlicher (auch lautgeschichtlicher) For­schung nach­zuspüren – das macht den Reiz und die Bedeutung des Etymologisierens aus. Der Wahrheitsgehalt – das „etymon” –, den wir dabei freilegen können, betrifft sicher nicht, wie die naive Etymologie einmal geglaubt hat, die Welt, wie sie „ist”, oder das „Wesen” der Dinge, wohl aber die Art und Weise, wie diese Welt von Menschen­gruppen im Verlauf ihrer Geschichte geistig in Sprache verarbeitet wor­den, wie sie ihnen „bedeutsam” geworden ist.

So ist die Geschichte der Wörter die Geschichte menschlicher „Betroffenheiten” und ihrer Verarbeitung in Sprache. Diese Leistungen, die den Wörtern zugrunde­liegen, uns durch die Selbstverständlichkeit ihres Gebrauchs aber meist nicht mehr bewußt werden, aufzudecken und zu reaktivieren, kann ein übergeordnetes Ziel ety­mologischer Arbeit sein, das zugleich deren spracherzieherische Dimension eröffnet.

Zum Schluß deshalb noch einige Anmerkungen zur didaktischen Perspektive des Themas. Sie betreffen die Bedeutung des Etymologisierens für:

·      Spracherwerb

·      Sprachinteresse

·      Grammatik als Sprachreflexion

·      Sprachtheorie

1. Daß das Erklären neuer, dem Kind in seinem Spracherwerb noch unbekannter Wör­ter zu den wichtigsten Wegen gehört, auf denen es sein Sprachverständnis er­weitert, wurde bereits erwähnt. Hier zeigt sich erstaunlich früh bereits ein erstes Nachdenken über Sprache, eine Haltung, die Sprache nicht einfach hinnimmt, sondern sie verstehend – nicht selten sogar kritisch zu durchschauen versucht. Diesen selb­ständi­gen Ver­stehens­­versuchen in der Rezeption von Sprache entsprechen die kindlichen Neo­lo­gismen in der Sprachproduktion, die die eigenständige und eigen­willige An­wen­dung solcher etymologischer Einsichten dokumentieren.

2. Das Interesse an Sprache muß also beim Kind nicht künstlich geweckt, es kann als vorhanden vorausgesetzt werden. Die Frage nach der „Richtigkeit”, dem Wahr­heitsgehalt oder der Motivation von Namen und Wörtern steigert das Interesse des Kindes an seiner Sprache. Sie läßt sich nicht nur (vom Schüler wie vom Lehrer) bei vielen Gelegenheiten aufwerfen, sondern oft auch in kindgemäßer und Kinder zu weite­rem Nachdenken und Fragen ermutigender Weise verfolgen und beantworten.

3. Etymologisches Denken wird auf diese Weise zu einer grundlegenden Form und einem wichtigen Motiv der Sprachreflexion. Hier erscheint Sprache nicht – wie häufig im herkömmlichen Grammatikunterricht – als Anwendungsfeld heteronomer, oft unverstandener grammatischer Regeln, sondern als eine Behausung des eigenen Geistes, in der die interessantesten Entdeckungsreisen möglich sind. Daß dabei auch mehr an grammatischem Denken gelernt werden kann als bei formalem Regellernen, sei nur nebenbei erwähnt.

4. Die kritische Frage nach der „Richtigkeit”, dem „Wahrheitsgehalt” der Wörter führt zugleich in einen Bereich, der im Sprachunterricht unserer Schule zu Unrecht vernachlässigt oder sogar ganz ausgespart wird: den Bereich der Sprachtheorie, des Nachdenkens über die Bedeutung der (angeeigneten) Sprache für mich selbst und für andere, über den Einfluß, den sie auf mein Wahrnehmen, Denken, Urteilen und Han­deln ausübt. Nur über die Erkenntnis der eigenen Sprachbedingtheit und -bedingun­gen erscheint es möglich, die erkannte Abhängigkeit von Sprache zu relativieren im Sinne eines vernünftig verstandenen „emanzipatorischen Sprachunterrichts”.[37]

Entsprechende Vorschläge und Beispiele finden sich bereits in einem Buch, das vor 130 Jahren zum erstenmal erschienen ist. Damals hat Rudolf Hildebrand, der Ger­ma­nist, Etymologe, Sprachpädagoge und Mitarbeiter am Grimmschen Wörterbuch seine Maximen für einen lebendigen Sprachunterricht publiziert[38] und in diesem Zu­sammenhang betont:

Es ist in der Tat nicht bloß nützlich und schön, den Worten ins Innere zu sehen, ihren wahren ursprünglichen Wert einsehen zu können, sondern auch recht not­wen­dig.[39]

In einer anschaulichen Metapher hat er einen solchen, „etymologisierenden” Sprach­unterricht beschrieben und begründet;

Die Worte und Wendungen sind wie abgegriffene Münzen, deren Gepräge man doch noch erkennen kann bei schärferem Zusehen und Vergleichen; und wirklich, mit oberflächlichem Gebrauch der Worte gleichen wir doch eigentlich Leuten, die Geld einnehmen oder ausgeben, ohne seinen Wert zu wissen.[40]

Dabei geht es um mehr als um sprachgeschichtliches Interesse, es geht um die Quali­tät des eigenen Sprachgebrauchs:

Denn von der Klarheit, mit der einer diese vorgedachten Gedanken und vorge­schauten Bilder handhabt, hängt die Klarheit seines eigenen Denkens ab.[41]

 



[1]              Vgl. Aristoteles: Metaphysik I 6. 987 a: „Platon, der in seiner Jugend zuerst mit Kratylos und den Lehren des Herakleitos bekannt wurde ...”

[2]              Vgl. Aristoteles: Metaphysik III 5. 1010 a.

[3]              Platon: Kratylos 383 a/b, hier zitiert in der Übersetzung von Friedrich Schleiermacher.

[4]              Josef Derbolav: Der Dialog „Kratylos” im Rahmen der platonischen Sprach- und Er­kennt­nis­philosophie. Saarbrücken: West-Ost-Verlag 1953; ders.: Platons Sprach­philo­sophie im Kratylos und in den späteren Schriften. Darmstadt: Wissenschaftliche Buch­gesellschaft 1972.

[5]              Josef Derbolav: Platons Sprachphilosophie (wie Anm. 4), S. 221-312.

[6]              Ebd., S. 79.

[7]              Willy Sanders: Grundzüge und Wandlungen der Etymologie. In: Wirkendes Wort 17 (1967), S. 361-384, S. 361.

[8]              Z.B. Helmut Birkhan: Etymologie des Deutschen. Bern: Lang 1985; Elmar Seebold: Ety­mologie. Eine Einführung am Beispiel der deutschen Sprache. München: Beck 1981.

[9]              Rudolf Thurneysen: Die Etymologie. Eine akademische Rede. Freiburg: Speyer und Kaer­ner 1905, S. 3.

[10]                    Willy Sanders (wie Anm. 7), S. 381.

[11]                    Gen. 2, 20, hier zitiert in der Übersetzung von Paul Rießler und Rupert Storr: Die Heili­ge Schrift des Alten und Neuen Bundes. Mainz: Grünewald o.J., S. 3.

[12]             D. Martin Luther: Die gantze Heilige Schrift Deudsch (Wittenberg 1545). Darmstadt: Wissen­schaftliche Buchgesellschaft 1972, S. 28.

[13]             Willy Sanders (wie Anm. 7), S. 361f.

[14]             Platon: Sämtliche Werke (in der Übersetzung von Friedrich Schleiermacher), Bd. 2. Ham­burg: Rowohlt 1957, S. 145.

[15]             Beide Wörter sind etymologisch nicht miteinander verwandt. „Fuchs” (ursprünglich „der Geschwänzte” zu aind. pucchah- = „Schwanz”) hat als „verhüllende” Bezeichnung im Germanischen das idg. Wort verdrängt, das in gr. alopex und lat. vulpes erhalten ge­blieben ist.

[16]             Heraklit: fr. 75.

[17]             Isidori Hispalensis Episcopi Etymologiarum sive Originum libri XX, hrsg. von W. M. Lindsay. Oxford 191l, I, 29, S. 1f.

[18]             Isidor von Sevilla: Etymologiae XI, 2, S. 31.

[19]             Vgl. Birkhan (wie Anm. 8), S. 41.

[20]             Vgl. ebd., S. 42.

[21]             Willy Sanders (wie Anm. 7), S. 371.

[22]             Die Legenda aurea des Jacobus de Voragine, aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz. Köln: Hegner 1969, S. 26.

[23]             Ebd., S. 127.

[24]             Ebd., S. 194.

[25]             Vgl. Sanders (wie Anm. 7), S. 375.

[26]             Friedrich von Schlegel: Kritische Ausgabe, hrsg. von Ernst Behler, Bd. VIII, Paderborn: Schöningh 1975, S. 119.

[27]             Hermann Osthoff/Karl Brugmann: Morphologische Untersuchungen auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen. Bd. l, Leipzig 1878 (Vorwort).

[28]             Wilhelm von Humboldts Werke, hrsg. von Albert Leitzmann (Akademieausgabe), Bd. VII, 1. Hälfte, Berlin: Behr 1907, S.58.

[29]             Zu diesen Beispielen vgl. Bernhard Weisgerber: Elemente eines emanzipatori­schen Sprach­­­unterrichts. Heidelberg: Quelle & Meyer 21975, S. 18 ff. Das Wort Heu­schreck(e) ist von dem heutigen Sprachteilhaber in seiner Etymologie unver­ständ­lich geworden, weil beide Bestandteile der Zusammensetzung ihre Bedeu­tung verändert haben: Heu von „ge­mähtes Gras” zu „getrocknetes Gras”, (er-)schrecken von „aufspringen” zu „in Schrecken ge­ra­ten”. Mundartliche Neubil­dun­gen wie Gras­hüpfer reaktivieren also nur den alten sprach­lichen Zugriff.

[30]             Die Sage von der Königswahl der Vögel, bei der der Zaunkönig (regulus) gewinnt, sich dann aber vor den Konkurrenten verstecken muß, geht bereits auf die Antike zurück.

[31]             Elmar Seebold (wie Anm 8), S. 230-238.

[32]             Beispielsweise: Adolf Bach: Deutsche Namenkunde II: Die deutschen Ortsnamen. Hei­del­berg: Winter 1953; Hans Bahlow: Deutschlands geographische Namenwelt. Etymo­lo­gi­sches Lexikon der Fluß- und Ortsnamen alteuropäischer Herkunft. Frankfurt am Main: Klostermann 1965 (Lizenzausgabe als Suhrkamp-Taschenbuch 1221, Frank­furt 1985).

[33]             Vgl. Leo Weisgerber: Deutsch als Volksname. Ursprung und Bedeutung. Darmstadt: Wis­­sen­­schaftliche Buchgesellschaft 1953.

[34]             Ebd., S. 291.

[35]             Leo Weisgerber: Der Sinn des Wortes Deutsch. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1949.

[36]             Ebd., S. 4f.

[37]             Vgl. B. Weisgerber: Lernziel: Sprachkritik, in: ders.: Elemente eines emanzipatorischen Sprachunterrichts. Heidelberg: Quelle & Meyer 21975, S. 11-83.

[38]             Rudolf Hildebrand: Vom deutschen Sprachunterricht (1867), 25. Aufl., hrsg. von Josef Prestel. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 1954.

[39]             Ebd., S. 53.

[40]             Ebd.

[41]             Ebd., S. 52.