von Professor Johannes Gąbka
Da die Naturwissenschaften zu der Hauptrichtung unserer Bildung nicht gehören, werden sie oft von den Studenten unserer Hochschule meist vernachlässigt, wenn sie gar nicht in Vergessenheit geraten. Diese Erscheinung ist aber bestimmt nicht wünschenswert, wenn man bedenkt, dass Naturwissenschaften in der heutigen, modernen Welt immer mehr an Bedeutung gewinnen und dass ein gebildeter Mensch tiefes Wissen über alle Gebiete der modernen Wissenschaft besitzen soll.
Um die allgemeine Bildung zu fördern, wollen wir hiermit eines der Geheimnisse der Zoologie ergründen: Das Leben der Drachen. Dabei erläutern wir die beträchtlichen Gefahren, die uns Menschen seitens dieser grauenerregenden Raubtiere drohen (denn leider nur wenige Gattungen sind pflanzenfressend) und suchen nach Methoden, diesen Gefahren auszuweichen.
Ein vorzüglicher Artikel zum Thema Drachen erschien in dem Tagesblatt „Rzeczpospolita“ im September 2000. Viele von den unten angeführten Informationen wurden diesem Artikel entnommen.
Von vielen auf der Erde auftretenden Gattungen der Drachen sind es entschieden die reichen und gutmütigen chinesischen Drachen, die am meisten Sympathie erwecken. Drachen dieser Art beschäftigen sich am liebsten mit Überwachung unterirdischer Schätze oder Verwaltung der Meere. Ihre Wohnstätte befinden sich meist auf dem Meeresgrund, wo sie wunderschöne, prächtige Paläste bewohnen, deren Reichtümer sagenhaft sind – es strotzt dort nur von Gold, Perlen und Diamanten.
Den ganzen Winter lang pflegt der chinesische Drache, ähnlich wie ein Bär oder ein Dachs, in einer unterirdischen Höhle oder eben auf dem Meeresgrund zu verschlafen. Anfang Frühling erwacht er und fliegt zum Himmel empor, um den ersten Regen und fröhliche Donner herbeizuschaffen. Er verkörpert männliche Kräfte der Natur, übt Schirmherrschaft über Städte, Flüssen und Seen. Als Ross dient er den weisen, sanften und bescheidenen wie Jungfrauen Unsterblichen. „Der Drache ist das mächtigste aller Geschöpfen”- behaupteten die Chinesen – „Seine Gestalt und Größe sind unbeständig und seinem Willen untertan. Wenn er sich es nur wünscht, kann er riesig werden wie das ganze Himmelgewölbe oder auch winzig wie eine Biene. Im Frühling fliegt er hoch am Himmel, im Herbst verbirgt er sich im tiefen Wasser. Wenn er dann vom Wasser zu dem Himmel emporsteigt, gibt es gewaltige Donner und Blitze. Wolken und stürmischer Wind begleiten ihn, wenn er durch die Lüfte saust”.
Was sein Aussehen betrifft, ist der chinesische Drache ein glänzendes Beispiel eines in der Natur einmaligen Eklektizismus. Er ähnelt einer Schlange mit Tatzen und Hirschhörnern. Seine Ohren sind die eines Ochsen, seine Schnauze die eines Kamels. Der Farbe der mit Fischschuppen bedeckter Haut entsprechend, kann der Drache golden, rot, blau, weiß oder schwarz sein. Der goldene ist dabei am machtvollsten, der rote ist voll Zorn, der schwarze – bösartig und gefährlich, womit er eine Ausnahme unter den meist freundlichen und gutmütigen chinesischen Drachen darstellt. Es soll hiermit auch gewarnt werden, dass ein junger Drache gern wie ein Fisch im Wasser spielt, wobei es manchmal passiert, dass er sich in ein Fischernetz verfängt. Das Schicksal des Fischers hängt dann von seinem Verhalten dem Drachen gegenüber, denn die Drachenfamilie kann ihn großzügig belohnen oder sich grimmig rächen. Hüten wir uns also davor, den Zorn des Drachen leichtsinnig auf uns heraufzubeschwören, denn die Folgen sind immer fatal. Vergessen wir auch nicht, dass Frauen, die sich im Träume oder im Wachzustand mit dem Drachen eingelassen haben (z.B. seine Spur betraten), bringen dann Kinder von ungewöhnlichen Begabungen und Talenten zur Welt, die dann zu hervorragenden Heerführern, Königen und Begründer berühmter Dynastien werden. Alle Kaiser von China hielten sich für die Nachkommen des Drachen und trugen an Feiertagen Kleider mit seinem Bilde. Der Drache als Symbol der Macht war nur dem Kaiser vorbehalten. Hätte ein Untertan ein Kleid mit dem Motiv eines Drachen angezogen, wäre er auf der Stelle um den Kopf gekürzt.
Kung-Fu-Öse, der das Verhalten aller anderen Tiere verstand, räumte ein, dass ihm einzig ein zum Himmel emporsteigender Drache ein unbegreifliches Rätsel bleibt.
In Indien sieht die Lage ganz anders aus. Der Gelehrte Flavio Filostratos erwähnt drei Gattungen von Drachen, die auf diesem Gebiet vorkommen. Der kleinste von ihnen, der Sumpfdrache ist schwerfällig und mit einer verhältnismäßig geringen Menge Schuppen bedeckt. Der Flachlanddrache hat silberne Schuppen, einen kraushaarigen Bart und einen Kamm aus Knochengewebe auf dem Schädel. Der größte von ihnen ist der Gebirgsdrache mit einem kecken Blick, dichten, buschigen Augenbrauen und einem aus Goldlocken verflochtenem Bart. Seine Schuppen sind aus Gold, sein Kopf voll Edelsteinen.
Im Unterschied zu den Chinesen, die ihre Drachen schätzen und lieben, veranstalten die Inder Jagd auf sie – mit unterschiedlichem Erfolg.
Brunetto Latini nannte in seinem berühmten „Schatzkammer der Wissenschaften” die indischen und äthiopischen Drachen „die größten aller Tiere”. Verwunderlicherweise erwähnt er gar keine Schätze und Edelsteine, erzählt aber viel von den Erzfeinden der Drachen, wobei er besonders viel Aufmerksamkeit dem Problem des tödlichen Hasses widmet, den dem Drachen gegenüber der Elefant hegt, nach dessen Blut der Drache besonders gierig ist. Nach Filostratos nimmt der Flachlanddrache an Kraft mit dem Elefanten auf, der Gebirgsdrache könne ihn sogar im Kampf bezwingen.
Von Kindheit an wissen wir, dass die europäischen Drachen, ganz anders als die chinesischen, abscheulich und äußerst gefährlich sind. Statt von Edelsteinen sind ihre Köpfe voll von niederträchtigen Gedanken. Sie verwüsten Ackerfelder, gefährden Rindherden, belästigen schöne Prinzessinnen. Aus ihren Rachen sprüht Feuer, das eindeutig auf die nahe Verwandtschaft mit dem Teufel hinweist. Im Mittelalter wurden die Drachen in Europa von kühnen Rittern und kecken Schustern mit List oder mit Schwert erfolgreich bekämpft.
Ein typischer Vertreter der europäischen Gattung war der berühmter Krakauer „Drache von Wawel” - „ein grauenerregendes hinterlistiges Reptil.” Durch sein skandalöses Verhalten vergiftete er den Bewohner Krakaus und seiner Umgebung das Leben. Lange Zeit versuchten ihn edle Ritter zu bekämpfen, nicht wenig durch das feierliche Versprechen des Krakauer Herzogs – den das schamlose Treiben des Drachen und die von ihm angerichteten Schäden in der lokalen Landwirtschaft in äußerste Verzweiflung trieben - dem Totschläger des Drachen seine reizende Tochter zur Frau zu geben. Aber die Bemühungen der Ritter, den Ungeheuer zu erliegen, blieben ohne Erfolg. Obwohl sie durchaus kühn waren, wurden sie beim bloßen Anblick des Feuer sprühenden und lautstark brüllenden Biests von so furchtbarem Schrecken erfasst, dass sie momentan ihre Kühnheit, Ehre und die schöne Tochter des Herzogs allesamt vergaßen und „flohen, wo der Pfeffer wächst“ – wie die Sage erzählt. Schließlich gelang es einem geistreichen Krakauer Schuster, den Drachen mit List und Schwefel zu beseitigen, wonach er der glückliche Schwiegersohn und Thronnachfolger des Krakauer Herzogs wurde.
Heutzutage erscheint der Drache in seiner natürlichen Gestalt äußerst selten, häufig aber agiert er in der Gestalt eines Menschen. Die erstaunliche Fähigkeit des Drachen, die Gestalt eines Menschen anzunehmen, ist womöglich auf die nahen Kontakte zurückzuführen, die er mit den dunklen Mächten zu haben pflegt. (Vergessen wir nicht, dass der Drache in der Bibel und folglich in der christlichen Kultur als die Verkörperung des Bösen, genau gesagt des Teufels selbst erscheint). Eine ähnliche Erscheinung beobachten wir bei den Hexen, die dagegen die Gestalt eines Tieres anzunehmen pflegen, worüber der deutsche Dichter Heinrich Heine warnend schrieb:
„ Liebe Nachbarn, mit
Vergunst!
Eine Hex’ durch Zauberkunst,
Kann in Tier sich verwandeln,
Um die Menschen zu
misshandeln.”
Es ist eine dokumentierte Tatsache, dass grausame Drachen bei ihrer Verwandlung in einen Menschen ähnliche niederträchtige Ziele verfolgen, nämlich dass Misshandeln und Erschrecken von unschuldigen, arglosen, nichts Böses ahnenden Menschen. Am meisten verbreitet ist der zanksüchtige Hausdrache, der in allen Ländern der Welt den Ehemännern, aber auch anderen, die mit ihm unter einem Dach wohnen, das Leben vergiftet. Selbst hier am Kolleg, wo man sonst vor allen anderen Raubtieren sicher ist, kann man ganz unerwartet auf einen Drachen stoßen. Daher ist es ratsam sich vor einem solchen Ungeheuer (insbesondere wenn es ein Drache ist, der durch Zauberkunst die Gestalt eines Menschen angenommen hat) in acht zu nehmen. Daher einige Tipps, wie man sich im Falle einer solchen unerwarteten Begegnung verhalten soll. Erstens: Ruhe und kaltes Blut bewahren! Der Drache wird am gefährlichsten, wenn er unser, durch sein Unwesen hervorgerufenes Schrecken bemerkt. Panikattacke steigern erheblich die Gefahr, beim lebendigen Leib gefressen zu werden. Zweitens: Die Methode des Drachen, Schrecken zu verbreiten, durchschauen und sich nicht hintergehen lassen. Drittens: Die völlige intellektuelle Überlegenheit des Menschen dem Drachen gegenüber stets im Auge behalten und sie auch gebrauchen! Dieser Punkt kann, um völliger Klarheit willen, einer Erläuterung bedürfen. Damit es also keine Missverständnisse gibt: Ein Drache tut oft so, als wäre er der intelligenteste Mensch unseres Planeten – was natürlich ganz absurd ist, weil er in Wirklichkeit gar kein Mensch, sonder lediglich ein Reptil ist, der nur vorübergehend die Menschengestalt angenommen hatte. Und als Reptil steht er in der evolutionären Entwicklung viel niedriger als wir- unleugbare Vertreter der Gattung „Homo sapiens“. Die relative Intelligenz des Drachen ist auf seine nahen Kontakte mit der Hölle zurückzuführen und umfasst lediglich miserable Geheimwissenschaften und eine Menge unverständlicher Zaubersprüche wie z.B.“ Die Apposition ist referenzidentisch und ein reduzierter Kopulasatz“ oder „ Die Sprache ist eine fürchterliche Menge von Sätzen endlicher Länge aus einer endlichen Menge von Elementen“. Kein Mensch bei gesunden Sinnen kann derartige Zaubersprüche verstehen, es sei denn, er ist eben ein in Menschengestalt agierender Drache oder hat seine Seele dem Teufel verkauft. Solche Delikte wurden noch im 17. Jahrhundert mit dem Tod auf einem Scheiterhaufen bestraft. Nach dem heutigen liberalen Rechtsstand bleiben sie leider oft ungeahndet. Dieses Problem ist aber wohl ein Thema für eine andere wissenschaftliche Abhandlung.
Ratte, Stier, Tiger, Kaninchen, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe,
Hahn, Hund und Schwein sind Tiere, die in China als Sinnbilder der nacheinander
folgenden Jahre in einem 12jährigen Zyklus fungieren.
Das glücklichste aller Sternzeichen ist der Drache. Menschen, die
im Jahre des Drachen (z.B. 1964, 1976, 1988) zur Welt kamen, sind Reichtum,
Macht und Glück vorbestimmt. Sie sind klug, edel und charmant. Sie mögen das
Risiko und erfreuen sich großer Beliebtheit bei dem anderen Geschlecht Sie sind
aber ungeduldig und es fehlt ihnen an
Widerstandskraft, so dass nur die Standheftigsten die ihnen durch das günstige
Sternzeichen geschaffenen Chancen wirklich ausnutzen.