Piastenschloss

Das Piastenschloss ist Ort unserer täglichen Arbeit, Ort unserer Siege und Niederlagen, für manche von uns ist es auch ein vorübergehendes Wohnheim und Ort des täglichen Umgangs mit den Freunden. Die Schlossmauern verstecken aber viele Geheimnisse aus der Vergangenheit und sind das Wahrzeichen prachtvoller Zeiten.

Wir, Studenten des Fremdsprachenkollegs, stammen aus Liegnitz oder aus der nächsten Umgebung von Liegnitz, größtenteils aus Niederschlesien. Der erste Kontakt mit dem Schloss, die Aufnahmeprüfung, war für uns ein unvergessliches Erlebnis und hat uns alle sehr beeindruckt. Inzwischen haben wir uns an diesen malerischen Ort gewöhnt. Den meisten ist leider die Geschichte des Schlosses fremd, deswegen versuche ich sie in aller Kürze näher zu bringen.

Schon um die Wende des 10. und 11. Jahrhunderts entstand auf einem Hügel an der Katzbach die Burg mit Befestigungen aus Holz und Erde, die von einem Graben umfasst war. Am Anfang des 13. Jahrhunderts wurde sie zur Residenz Herzog Heinrichs des Bärtigen. Damals wurden innerhalb der Schutzmauer zwei romanischen Steintürme errichtet: der Hl.-Hedwig-Turm im Westen und der Hl.-Petrus-Turm im Osten. Das waren die ersten steinernen Türme in Polen. Im südlichen Teil des Schlosshofs wurde die Herzogsburg gebaut: Ein dreistöckiges Wohngebäude, das 62 Meter lang und 16 Meter breit war. Im nördlichen Teil des Schlosshofs wurde das viereckige Lübener Tor aus Ziegel errichtet, von dem die Ziegelmauer geführt wurde. In der Nähe der Herzogsburg stand die im 17. Jahrhundert abgerissene Schlosskapelle aus Ziegel und Stein. Ihre Überreste wurden erst in den Jahren 1969-1974 während der archäologischen Arbeiten entdeckt. Zur Zeit sind die Relikte der Kapelle in einem im Schlosshof errichteten Pavillon zu sehen.

Das Schloss gehörte den Liegnitzer Herzögen und später, ab Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Jahr 1675, den Herzögen zu Brieg und Liegnitz. Im Jahr 1415 wurde auf Anregung des Herzogs Ludwigs II. der Hl.-Petrus-Turm umgebaut. In den Jahren 1453 – 1488 folgte der Ausbau des Schlosses. Während der Renaissance wurde das Schloss auf Anregung des Herzogs Friedrichs II. wieder umgebaut. Die Arbeiten begannen noch vor 1527 und wurden 1533 beendet. Das Schloss wurde damals von einem Erdwall mit Basteien an den Ecken und von einem Graben eingeschlossen. 1532 entstand das schöne Hauptportal.

Um das Jahr 1621 wurde die Kapelle abgebaut; zwischen der Herzogsburg und dem Hl.-Hedwig-Turm entstand ein Waffenlager. 1674 wurde der breite Schlosshof durch die Errichtung eines Uhrturms in zwei Teile geteilt. 1711 brach ein großer Brand aus, der den ganzen südlichen Flügel des Schlosses zerstöre. Das Schloss brannte noch einmal im Jahre 1835 und wurde später nach dem Entwurf Karl Friedrich Schinkels wiederaufgebaut. Während des Wiederaufbaus wurden auch viele historisch wertvolle Elemente zerstört. Der nächste Brand suchte das Schloss im Jahre 1945 heim. Der Wiederaufbau wurde erst im Jahren 1962 – 69 durchgeführt.

Zur Zeit befinden sich hier das Fremdsprachenlehrerkolleg, das Studentenwohnheim und seit April 2000 die Fachhochschule (im nördlichen Flügel des Schlosses).

Was werden die kommenden Jahrhunderte fürs Liegnitzer Schloss mit sich bringen? Wie wird es in dreihundert Jahren aussehen? Na ja, das wissen wir nicht und machen uns darüber keinen Kopf. Jetzt, im Frühling, verbringen wir die Pausen unter der prachtvollen Linde in der Mitte des Schlosshofes und denken eher an kommende Prüfungen.

Agnieszka Rasławska