Ute Frfr. V. Buddenbrock

Mein letzter Artikel im Schlossblatt (?!)

Als wir, mein Mann und ich, am 10. September 1999 zum letzten „Akt“ nach Schlesien aufbrachen, war mir wirklich sehr „mulmig“ zu Mute, nicht nur weil der Abschied von dem lieb gewordenen Liegnitz und Schlesien absehbar und unaufschiebbar bevorstand, sondern auch weil eine Jury-Tätigkeit auf mich wartete, die einige Aufforderungen stellte. Sie wissen, dass im November 1998 zu dem III. Aufsatzwettbewerb aufgerufen war, deutsch-polnische Beziehungen zu beschreiben unter dem Thema: „Schlesien, gemeinsame Heimat für Polen und Deutsche“.

Ich studierte Referate unserer Studenten über Eichendorff oder Kreisau, wälzte Kunstbücher, um mich noch intensiver mit den Kulturgütern Schlesiens bekannt zu machen, denn bis zum Abreistermin hatte ich noch keine einzige Arbeit in Händen, und die Themenvielfalt war unübersehbar. Wie sollte man so tätig werden?

Nach einem kurzen Verwandtenbesuch in Dresden fuhren wir mutig nach Lomnitz/Łomnica. Lomnitz bei Hirschberg/Jelenia Góra war unser Treffpunkt. Das Haus, in dem wir uns trafen, liegt in einem schönen Park – und zu unserem ganz großen Glück hatten wir traumhaft schönes Wetter, sodass wir die Mahlzeiten im Freien, unter riesigen Sonnenschirmen, einnehmen konnten.

Jetzt erst bekam ich die zu bewertenden Arbeiten in die Hände. Bis tief in die Nacht saß ich über die Arbeiten, die Themen hatten wie: „Begegnungen mit Deutschen im heutigen Polen/ mit Polen im heutigen Deutschland“, „Deutsche in Polen z.Z. des Kommunismus“, „Eine alte Dame erzählt“ [eine Recherche über eine Familie in Polen 1946], „Polen unter deutscher Herrschaft“ oder „Auf dem Weg zur Aussöhnung. Der deutsch-polnische Dialog am Beispiel der Städtepartnerschaft Liegnitz-Wuppertal“.

Und nun wende ich mich an alle, die vielleicht aus Bequemlichkeit den „Dreh“ nicht bekamen, und ihre Referate nicht eingesandt haben:

Wir haben die Siegerin des Wettbewerbs unter unseren Mitstudenten:

IWONA MICHAŁOWSKA

Sie siegte, trotz starker Konkurrenz von Germanistikstudenten/Innen verschiedener polnischer, tschechischer und deutscher Universitäten!

Einen ganz, ganz herzlichen Glückwunsch noch einmal aus dem fernen Plön! Iwona stand unangefochten auf dem 1. Platz, was mich unendlich freute – vielleicht auch ein bisschen stolz machte, denn sie vertrat als Einzige ein Fremdsprachenlehrerkolleg, unser Kolleg!

Die Jury war mit sehr engagierten Mitgliedern besetzt. Ich möchte nur Herrn Prof. Dr. Michael Zeller herausnehmen, den Autor von „Café Europa“ oder „Und im nächsten Jahr in Jerusalem“. Ich glaube, wir waren alle von seiner Fähigkeit, mit der deutschen Sprache umzugehen, begeistert, von der Art, wie er uns über seine Arbeit und seinen interessanten Lebensweg berichtete, der besonders in der Jugend recht „steinig“ war. Jedenfalls flogen die 2 Tage nur so dahin.

Als Fazit möchte ich aber doch sagen:

Nehmen Sie an solchen Wettbewerben teil! Es winken immer auch interessante Preise (s. Iwonas Bericht) und Referenten werden dazu eingeladen, die wirklich etwas zu sagen haben, die deutsche Sprache hervorragend beherrschen und dadurch für Studenten aller Lehranstalten sehr lehr- und auch hilfreich sein können. Für mich waren die Tage ein echter Gewinn und ein wunderbarer Abschluss der 3 Jahre in Schlesien! (Von den nachfolgenden Prüfungen berichte ich nichts!!!)

d. 07.12.1999